Projekte Senegal

Versalzung und Winderosion

Die Region im Norden des Senegals zeichnet sich aus durch extrem degradierte Böden mit einem hohen Versalzungsgrad aus. Diese sind einer starken Winderosion ausgesetzt mit jährlichen Verlusten von bis zu 50 Tonnen Ackerkrume je ha. Durch Bewässerung und nicht angepassten Umgang mit Dünger sind von der Versalzung 1/3 der Anbauflächen betroffen. Insbesondere die Überweidung durch Ziegenhaltung und die Suche nach Brennholz zum Kochen verhindern die Wiederansiedlung von Bäumen. Lediglich die invasive, dornenreiche Gummiakazie (Acacia senegalensis) übersteht diesen Druck.

Der Fluss Senegal: Kornkammer und Bodenversalzung

Staudämme ermöglichen die ganzjährige Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen durch den Fluss Senegal. An der Grenze zu Mauretanien befindet sich das größte Reisanbaugebiet des Senegals. Die ganzjährige Bewässerung bietet ein enormes Potenzial für die Ernährung des Senegals, der derzeit über 80% seines Reisbedarfes hauptsächlich aus Asien importiert. Das Potenzial an Reisanbauflächen wird auf 240.000 ha geschätzt. Dies würde genügen, um jeden der 12 Mio Einwohner mit täglich 1.000 kcal zu versorgen. Neben der bereits bewässerungsbedingt zunehmenden Versalzung der Böden brachte der Staudammbau eine weitere Begleiterscheinung, die sowohl die Fischerei als auch die Biodiversität der Region stark einschränkt: die invasive Ausbreitung von Schilfrohr (Typha latifolia australia). Das Schilfrohr ist jeder anderen Pflanze in der Flussregion ökologisch überlegen und verdrängt die anderen Pflanzen. Problematisch ist zudem das Zuwachsen der Bewässerungskanäle, die das Flusswasser in bis zu 25 km langen Kanälen zu den Reisfeldern und den Zuckerrohrplantagen transportieren.

Senegal – die Farm

Seit 2009 ist das Secretariat für Climatefarming im Kontakt mit der Reisfarm CNT im Reis-Tal im Norden des Senegals. Das Unternehmen ist in der Hand des Unternehmers Ibrahima Sall, der dort geboren wurde und das Unternehmen seit 25 Jahren aufgebaut hat. Etwa 1.000 Familien pachten jedes Jahr Reisfelder mit 1-10 ha Größe und bewirtschaften diese. Ibrahima Sall stellt dabei Dünger, Saatgut und Pflanzenschutzmittel für die Pächter bereit. 600 ha werden direkt durch das Unternehmen bewirtschaftet. Der Besitzer sieht in seiner Farm ein Labor für den Umbau zur postfossilen Kreislaufwirtschaft. Deswegen wurden dort verschiedene Projekte zur Erprobung und Bewertung erfolgversprechender Pflanzenkohle-Anwendungen eingeleitet: die Gewinnung von Schilfrohr durch die lokale Bevölkerung, der Herstellung von Pellets aus getrocknetem Schilfrohr auf der Farm, der Verkauf dieser Pellets sowie die Nutzung im eigenen Unternehmen und die Verbesserung des Farmlands mit der anfallenden Pflanzenkohle. Hierzu wurde unter anderem Prof. Otterpohl als internationaler Experte für Pflanzenkohle vor Ort eingeladen und einbezogen.